Das sagenumwobene Frauenmeer
Ein Gewässer von anderem Charakter ist das abgelegene Frauenmeer. Das Auge des Besuchers fällt auf eine kreisrunde Wasserfläche. Es liegt auf einem hohen Geestvorsprung und ist viel tiefer als die seichten und großflächigen Meere in den anmoorigen Niederlassungsgebieten mit hohem Grundwasserstand.
Von alters her war die Entstehung des Frauenmeeres ein Rätsel, so daß sich die Sage des kleinen Sees bemächtigt hat: An der Stelle, wo sich jetzt das Frauenmeer befindet, wohnten einst drei Schwestern, die ebenso reich wie hartherzig und geizig waren. Sie kümmerten sich nicht um die Not und das Elend ihrer Mitmenschen und ließen die Armen lieber Hungers sterben, als ihnen eine Gabe zu geben. Dafür traf sie die Strafe des Himmels. Eines Nachts versank das Haus mitsamt den drei Frauen. An dieser Stelle hatte sich ein tiefer Trichter gebildet, der sich alsbald mit Grundwasser füllte. Die Bewohner Timmels waren durch dieses Ereignis aufgeschreckt, eilten herbei und vergossen Tränen vor Angst und Schrecken. Daher heißt das Land in der Nähe des Meeres noch heute "Tranackers". Der entstandene See aber erhielt in Erinnerung an die drei Frauen die Bezeichnung Frauenmeer.
Heute ist man über die Entstehung folgender Meinung: Wie es noch heute am Rande der Arktis in Kanada und Sibirien vorkommt, trat in der letzten Eiszeit Wasser nach oben, fror hoch und nahm die Deckschichten bis zu einer Höhe von 50 Metern nach oben und bildete eine Frostbeule (Pingo). Nach dem Tauen wurden die Deckschichten am Rande ringförmig abgelagert. |